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REISEZEIT-Mitarbeiter waren selbst auf dem Kilimanjaro. Einer von ihnen, Eckard Krause, erzählt von seinen Erlebnissen beim „Run“ auf den höchsten Berg Afrikas:

Kilimanjaro – Faszination und Leidenschaft!

Der Kilimanjaro, mit 5.896 m die höchste Erhebung Afrikas, ist seit Jahrzehnten für Berg- und Naturfreunde ein Traum. Für viele, die den Gipfel „Uhuru Peak“ (Freiheitsgipfel) bezwungen haben oder dem mit der Besteigung des Gilman’s-Point (5.695 m) bereits sehr nahe waren, ist dieser Traum zur Realität geworden.

Mit der Gründung des Nationalparks Kilimanjaro im Jahre 1973 wurde begonnen, die touristische Infrastruktur für die Besteigung des Kilimanjaro zu schaffen. 1978 wurden mit norwegischer Hilfe Berghütten auf der populärsten „Marangu-Route“ gebaut und Zeltcamps mit Sanitäreinrichtungen angelegt. Mittlerweile wagen sich jedes Jahr 33.000 Bergwanderer im Alter zwischen 11 und 73 Jahren auf den Berg. Der Ansturm von Trekking-Enthusiasten aus der ganzen Welt ist nach wie vor ungebrochen. Jeder kann - wenn er es will - in die Höhe von fast 6.000 m vordringen, ohne das Bergsteigen perfekt zu beherrschen. Bei entsprechender Vorbereitung muss die Kilimanjaro - Eroberung kein Wunschtraum mehr bleiben.
Die Wanderwege wurden in den letzten Jahren weiter ausgebaut und befestigt. Schlammige und bei Regen nahezu unpassierbare Abschnitte wurden beseitigt. In der Regel kann der Kilimanjaro das ganze Jahr über erklommen werden, es hat sich aber als sinnvoll erwiesen, keine Touren in der Regenzeit von Mitte März bis Anfang Juni anzubieten. Auf 5 verschiedenen Routen kann der „heilige Berg“ der Massai gegenwärtig bestiegen werden. Jede (in 5 bis 6 Tage-Touren angeboten) hat seinen Reiz, ob wir vom Norden (Rongai), vom Westen (Shiraz) oder vom Süden (Machame, Umbwe, Marangu) kommen. Die Mweka Route, der direkteste Weg um auf den Gipfel zu kommen, ist nur für den Abstieg zugelassen. Die „Marangu-Route“ ist die einzige Route, die Übernachtungs- möglichkeiten in festen Unterkünften, in der Regel 4 Bett-Hütten, bietet.
Auf allen Routen werden die Bergwanderer durch ein Team von Bergführern, Köchen und Trägern begleitet. Sie tragen das Hauptgepäck mit der gesamten Verpflegung. Die Bergführer und die sie begleitenden Assistenten haben eine entsprechende Ausbildung absolviert. Jeder hat als Träger angefangen, wurde dann Koch und schließlich 2. Bergführer.
Jeder Bergführer hat bei seinen Touren ein festes Team von Koch und Trägern, welches je nach Bedarf um zusätzliche Träger ergänzt wird. Tag für Tag warten nicht selten hunderte von Männern (vereinzelt aber auch Frauen) vom Stamm der Chagga aus den umliegenden Dörfern und Städten an den Eingängen zum Nationalpark, um einen der begehrten Jobs als Träger zu bekommen. Das zulässige Tragegewicht wurde zwar in den letzten Jahren von 20 kg auf 15 kg gesenkt, aber trotzdem sind die körperlichen Strapazen bei den Touren enorm.
Der Lohn von 15 bis 20 USD, den ein Träger im Durchschnitt für 5/6 Tage harter Arbeit erhält, reicht aus, um eine Familie von 4 Personen einen Monat lang zu ernähren.
Der 1. Tag: bis zur Mandara Hütte auf 2.675 m
Die Anfahrt zum Eingangstor des Nationalparks in 1.800 m Höhe ist relativ kurz. Die Lodges und Hotels sind in und um Moshi gelegen. Auf unserem Anfahrtsweg zum Nationalpark Kilimanjaro finden wir beiderseits der Asphaltstrasse fruchtbaren Boden mit Bananenplantagen. Nachdem die Formalitäten der Anmeldung und die Aufteilung des Gepäcks und der gesamten Verpflegung erfolgt sind, brechen wir gegen Mittag zur ersten Tagestour auf. Die Mandara-Hütte liegt auf 2.675 m noch mitten im Regenwald. Zunächst nur allmählich ansteigend, windet sich der Weg durch undurchdringlichen Urwald. Wir sehen riesige Farne mit Moos und Flechten. Für die 800 Höhenmeter veranschlagen wir 3,5 bis 4 Stunden Marschzeit. Wir fühlen uns wohl und viele gehen diesen 1. Tagesabschnitt geradezu euphorisch an. Regelmäßige Pausen mit viel Trinken sind aber auch hier schon wichtig und zwingend notwendig, da der Körper pro 1.000 Höhenmeter 1 Liter Flüssigkeit zusätzlich zum Tagesbedarf benötigt. Die Temperaturen auf der Mandara-Hütte liegen in der Nacht um 15°C. Es ist also noch ziemlich angenehm.
Der 2. Tag: bis zur Horombo Hütte auf 3.720 m

Auf dem zweiten Tagesabschnitt zur Horombo-Hütte verlassen wir bei 2.900 m die Regenwald-zone. Eine mystische Kulisse von übermannshohen, mit langen Flechtbärten bewachsenen Heidekräutern empfängt uns. Zum ersten Mal haben wir einen Blick auf die Gipfelkuppe des Kiliman-jaro. Von nun an heißt es auch immer, an eine Kopfbedeckung und Son-nenbrille denken. Wir bestaunen die Träger, die anscheinend spielend leicht, die zugelassenen 15 kg auf dem Kopf balancieren. Je höher wir steigen, umso schütterer und strauchartiger wird die Vegetation. Die Hochmoorflächen stellen heute, wo die Wege ausgebaut sind, keine große Hürde mehr dar. Wir kalkulieren um die 6 bis 7 Stunden Marschzeit, mit ausreichend Pausen.
Der 3. Tag: Horombo Hütte, der Akklimatisierungstag
Auf der Horombo-Hütte in über 3.700 m zeigt sich, wer sich bisher ausreichend der Höhenlage angepasst hat. Nicht selten begegnen wir Bergwanderern aus anderen Gruppen, bei denen sich schon die ersten Anzeichen der gefürchteten Höhenkrankheit zeigen. Was tun? Wer schon Unwohlsein verspürt, sollte sich vor allem Ruhe gönnen, denn am 3. Tag (Akklimatisationstag) verbleiben wir auf der Horombo-Hütte. Wer sich gut und körperlich fit fühlt, kann eine Wanderung zu den „Zebra Rocks“ oberhalb unserer Hütte unternehmen. Von unserem Team erhalten wir wertvolle Tipps und Hinweise zum bevorstehenden Aufstieg. Ein unbedingtes Muss ist kräftige Nahrung und die Schüsseln mit Porrage (Haferschleim), das Beste was es gibt, um die notwendige Energie für den weiteren Aufstieg zu bekommen - von vielen zu unrecht nicht beachtet und verschmäht. Die Temperaturen erreichen am Tage kaum noch den zweistelligen Bereich. Die Nächte werden kalt und es treten Nachtfröste auf. Die extremen Temperaturunterschiede machen dem Kreislauf zusätzlich zu schaffen. Nicht selten begegnen wir Personen die bereits mit deutlichen Anzeichen der Höhenkrankheit zu kämpfen haben. Ein weitere Aufstieg ist nun nicht mehr möglich und der „Rettungsdienst“ bringt diese Personen mit einer „mobilen Trage und innerhalb von 1-2 Stunden unterhalb von 2.500 m.
Der 4. Tag: bis zur Kibo Hütte auf 4.703 m
Am Morgen bis gegen 8.00 Uhr zeigt sich uns der Kibo-Gipfel mit seiner weißen Pracht. Dann ziehen die Wol-ken vom Tal auf und umschlies- sen den Gipfel. Es sind heute erneut 1.000 Höhenmeter zu überwinden. Wir marschieren über immer spärlicher werdende Vegetation mit Heide und Moor. Bei 4.000 m tut sich uns eine Mondlandschaft auf und der Vulkankegel des Kilimanjaro zeigt sich (erlebt 1996) in seiner ganzen Pracht oder auch nicht (erlebt 2002). Ein Anblick, den man so schnell nicht vergisst. Die Bewegungen werden langsamer und jeder bekommt die Höhenlage zu spüren. Es heißt nun, immer öfter Trinkpausen einzulegen. Auch die Nahrungsaufnahme gestaltet sich immer schwieriger, da sich durch den zunehmenden Sauerstoffmangel Appetitlosigkeit einstellt. Nach 7 bis 8 Stunden erreichen wir gegen 16.00 - 17.00 Uhr die Kibo-Hütte auf 4.700 m. Ein schmuckloses Steingebäude in einer kargen und felsigen Umgebung. Sind wir als Gruppe noch gemeinsam von der Horombo-Hütte los marschiert, kommen die Teilnehmer auf der Kibo-Hütte wie an der Perlenschnur lang auseinander gezogen an. Jeder ist mit sich selbst beschäftigt und von den bisherigen Anstrengungen gezeichnet. Hunger hat kaum einer. Trotzdem wichtig: viel Trinken und die Hassliebe, unser Haferschleim, ein unbedingtes Muss! Die Temperaturen liegen gefühlt schon unter dem Gefrierpunkt. Zusätzlicher Wind lässt die wirkliche Temperatur noch viel niedriger erscheinen. Das Steinhaus ist nicht beheizbar und wir wärmen uns nur beim angeboten Tee und unserem Haferschleim. Die Schlafräume sind kalt und unwirtlich. Jeder verkriecht sich in seinem Schlafsack und versucht ein paar Stunden zu ruhen. Schlafen kann aber bis 23.00 Uhr kaum einer.
Der 5. Tag: Gipfeltag, Uhuru Peak (5.896 m) über Gillman’s Point (5.685 m)
Gegen Mitternacht nach einem kurzen Imbiss mit Keksen und Tee teilen wir uns in Gruppen auf. Wer sich gut und fit fühlt, geht in die 1. Gruppe. Beim Abmarsch ist gespannte Ruhe. Meist haben wir Windstille und es erscheint uns gar nicht mehr so kalt. Jeder nimmt mindestens 2 Thermoskannen mit heißem Tee mit. Nach und nach brechen die verschiedenen Gruppen zum Gipfelaufstieg auf. Die Temperaturen liegen um die 0°C. Der Boden ist hart gefroren. In Serpentinen geht es zum 1. Gipfel, dem Gillman’s-Point hinauf. Nach 2,5 Stunden erreichen wir die Meyerhöhle auf 5.200 m. Im Laufe der Jahre ist diese kaum noch als eine Höhle zu erkennen. Durch die Lavaasche ist sie in den letzten 10 Jahren fast zugeschüttet worden. Wir marschieren immer im gleichen Trott - endlos und zeitlos im Gleichtakt. Man denkt weder an die Zeit noch an irgendetwas anderes überhaupt. Wir starren auf den Vordermann und bewegen uns rein mechanisch vorwärts. Alles verläuft bis 50 m unter dem Gillman’s-Point im Gleichtakt. Dann wird unser Marsch durch den einzigen felsigen Abschnitt unterbrochen. Wir müssen etwas klettern und erreichen auf 5.685 m den Gillman’s-Point. Es ist 5.30 – 6.00 Uhr. Damit sind wir sehr früh hier - als eine der ersten Gruppen. Die Temperaturen fallen auf -6 bis -8 °C. Es wird auf dem Grat auch spürbar windiger und kälter. Nicht selten werden Temperaturen von -20 bis -30 °C erreicht. Viele von denen, die es bis hier, ca. 200m unter dem Uhuru Peak, geschafft haben, wollen auf einmal nicht mehr weiter gehen. Ein nicht seltenes Phänomen, so kurz vor dem Ziel aufzugeben. Den Gillman’s Point erreicht zu haben, gilt zwar als Gipfelbesteigung, man steht aber dort im Dunkeln und sieht von den faszinierenden Gletschern nahezu nichts. Es bedarf nicht selten der Überredungskunst der Bergführer, um zum Uhuru Peak weiter zu marschieren. Kaum einer wird das rückblickend bereuen. Für die letzten 200 Höhenmeter am Kraterrand vorbei benötigen wir noch 1,5 bis 2 Stunden. Die große Über-windung ist, der klirrenden Kälte, durch starken Wind noch verstärkt, zu widerstehen. Ein fantastischer Sonnenaufgang gegen 7.00 Uhr über dem Mawenzi entschädigt für die Anstrengungen. Die Gletscher, majestätisch aneinandergereiht, spiegeln sich im gleißenden Sonnenlicht. Auch die Kälte wird nun ein wenig erträglicher. Am Stella Point haben wir noch gute 30 Minuten bis zum Uhuru Peak. Wir treffen auf Personen die über die anderen Routen auf dem Gipfelgrat gelangen. Von weitem erkennen wir schon das seit dem Jahr 2000 würdig gestaltete Gipfelschild. Wir haben bis zu 200 km Fernsicht und der 45 km entfernte Mount Meru erscheint uns so besonders nah. Gegen 9.00 Uhr sind wir am Gillman’s-Point zurück. Eine kurze Rast, wo wir den Weg der letzten Nacht anhand der gezeichneten Spuren im Lavasand nachvollziehen können. Der Boden ist von den Sonnenstrahlen aufgetaut und wir nehmen den geraden Weg hinunter zur Kibohütte. Gegen 9.30 Uhr kommen wir nach und nach wieder an der Kibo-Hütte an und erholen uns etwas von den Strapazen. Gegen Mittag verlassen wir die Kibo-Hütte in Richtung Horombo-Hütte. Nun zeichnet sich uns ein umgekehrtes Bild. Wir kommen beschwingt und voller Eindrücke vom Gipfel. Die uns Entgegenkommenden schleppen sich langsam und mühsam zur Kibo-Hütte hinauf. Wir tauschen kurz unsere Erfahrungen aus. Immer kommen die gleichen Fragen: Wie war es? Hattet ihr gutes Wetter? Wie lange brauchen wir noch zu Hütte? Und wir sprechen Mut zu: Ihr schafft das auch! Ob in deutscher oder in englischer Sprache! Gegen 15.00 Uhr erreichen wir die Horombo-Hütte. Der zum Abendessen servierte Haferschleim wird nun auch von denjenigen missachtet, die bisher nicht darauf verzichten wollten. Auf der Hütte wieder die gleichen Wortwechsel mit den ankommenden Gipfelstürmern. In der Nacht schlafen wir besser als am Abend vor dem Aufstieg. Am anderen Morgen werden die Sachen verpackt und auch unser Team ist froh, dass es hinunter geht. Wir nehmen mit der Gewissheit, den Gipfel bezwungen zu haben, die Schönheiten der zahlreichen Pflanzen bewusster wahr und geniessen den Anblick der prächtigen Lobelien-Felder unterhalb der Horombo Hütte. Gegen Mittag kommen wir auf der Mandara-Hütte an. Kurzes Mittagessen und um 14.00 Uhr erreichen wir wieder den Eingang vom Nationalpark, das Marangu-Tor. Wir bestätigen unsere Gipfelbesteigung, erhalten die Gipfelurkunden und verabschieden uns von unserem Team. Das Team singt zum Abschied für uns das Kilimanjaro-Lied. Manch einer trennt sich noch von Wanderschuhen, Regenjacke und T-Shirts und überlässt es gerne den Trägern. Ein unvergessenes Erlebnis bleibt für immer in unserem Gedächtnis. Wir haben Außer-gewöhnliches geleistet und dafür unseren inneren „Schweinehund“ überwunden. Der eine mehr und der andere weniger.

Eine unverhoffte Begegnung mit dem Kilimanjaro stand mir bei meiner Tour 2002 noch bevor. Nach dem Abflug vom Airport am Morgen des 26. Januar haben die Piloten der Ethiopian Airlines bei sehr guten Wetterbedingungen den Kilmanjaro umflogen. Wie es immer so ist, wenn man leidenschaftlich gern fotografiert und filmt hatte ich nur noch eine Aufnahme auf dem Film.

Und wieder ruft mich Anfang 2008 der Kilimanjaro!

Nach 2 1/2 Jahren bin ich zurück. Es macht mich neugierig zu erleben, wie sich der Berg verändert hat.

Viele Fragen stellen sich. Habe ich alle Teilnehmer genügend vorbereitet? Wie weit sind die Gletscher inzwischen zurückgegangen? Habe ich die Motivation, den „Biss“ wieder bis zum Uhuru-Peak zu marschieren? In erster Linie möchte ich die mich begleitenden 13 Personen auf den Gipfel bringen. Ob es bei Allen gelingt hängt trotz intensiver Vorbereitung von so vielen Faktoren ab. Die Faszination und Leidenschaft besteht seit der Jugend. Aus eigenem Erleben nun schon fast 12 Jahre. Freunde fürs Leben habe ich in der Region am Fuße des Mount Kilimanjaro und Mount Meru gefunden.

Aktive und wirkungsvolle Hilfe den Menschen dort zu geben, ist mir und Freunden ein Bedürfnis geworden. Lasst Euch begeistern und helft mit (www.nambala-help.de)!

Mit der Anmeldung beginnt unser Aufstieg
 
 
 
Das „Rettungsteam“ auf dem Weg nach unten
 
 
Die Meyer-Höhle 1996 (Februar)
 
 
Am Stella Point 45 min vor dem Gipfel
Uhuru Peak 2002 im Januar
Uhuru Peak 2004 im März
 
   
 


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